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Tartus (im November 2011 bei Pro-Assad-Kundgebung): Kurz vor Erreichen des syrischen Hafens ist nach SPIEGEL-Informationen ein deutscher Frachter mit Waffen aus Iran gestoppt worden. Dabei handelt es sich um das Schiff "Atlantic Cruiser" der Emder Reederei Bockstiegel, das aber verchartert wurde.

Iranisches Militärgerät für Assad-Regime


Deutscher Waffenfrachter vor Syrien gestoppt
Schweres Militärgerät und Munition - diese heikle Ladung hatte nach SPIEGEL-Informationen der deutsche Frachter an Bord, der kurz vor dem syrischen Hafen Tartus gestoppt wurde. Nun prüft das Bundeswirtschaftsministerium, ob das Waffenembargo gegen das Regime von Präsident Assad verletzt wurde.
Hamburg - Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich in den Fall des vor der syrischen Küste gestoppten Waffenfrachters eingeschaltet. "Uns ist der Sachverhalt bekannt", sagte eine Sprecherin der Behörde auf Anfrage. "Wir gehen den Hinweisen nach, ob das Embargo verletzt wurde."

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Bei dem Schiff handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um die "Atlantic Cruiser" der Emder Reederei Bockstiegel. Sie hatte vor einigen Tagen im Hafen von Dschibuti von einem iranischen Frachter schweres Militärgerät und Munition aus Iran übernommen, die für das syrische Regime bestimmt waren. Am Freitag sollte die Fracht in Tartus gelöscht werden.
Weil die Lieferung aufzufliegen drohte, änderte die "Atlantic Cruiser" am Freitagnachmittag aber plötzlich ihren Zielhafen und wollte nun den türkischen Mittelmeerort Iskenderun anlaufen. Dann stoppte das Schiff etwa 80 Kilometer südwestlich von Tartus und fuhr die nächsten Stunden im Kreis.

Die EU-Staaten haben wegen des brutalen Vorgehens des syrischen Regimes unter Präsident Baschar al-Assad gegen die eigene Bevölkerung Sanktionen gegen Syrien verhängt. Dazu gehört auch ein Embargo, das die Lieferung von Waffen, Munition und anderer militärischer Güter nach Syrien untersagt.
"Wir haben das Schiff gestoppt, nachdem wir Hinweise auf die Waffenladung erhielten", sagte Schiffsmakler Torsten Lüddeke von der C.E.G. Bulk Chartering, die für die Befrachtung der "Atlantic Cruiser" verantwortlich ist. Es habe sich um eine sogenannte Kalt-Charter gehandelt, der Frachter sei an die ukrainische Firma White Whale Shipping in Odessa vermietet worden.
Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, dass es sich nach derzeitiger Kenntnis um "ein Schiff eines deutschen Eigentümers" handele, das von der Reederei verchartert worden sei und unter der "Flagge eines Drittstaats" fahre. Laut Homepage der Emdener Reederei fährt das Schiff unter der Flagge des karibischen Inselstaats Antigua und Barbuda.




Die ukrainische Firma White Whale Shipping streitet alle Vorwürfe ab und bezichtigt Schiffsmakler Lüddeke der Lüge. "Das Schiff transportiert keine gefährliche oder militärisch bedeutsame Fracht nach Syrien", schrieb die Firma Varamar, die als Generalvertreter von White Whale Shipping agiert, in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE. Die einzige gefährliche Ladung habe das Schiff in Indien aufgenommen. Sie sei für die Türkei und Montenegro bestimmt, die als nächste Stationen angelaufen werden sollten.
Die Fracht für Syrien sei ebenfalls in Indien aufgenommen worden und habe "keinerlei militärischen Bezug", heißt es in dem Schreiben. Es handele sich vielmehr um Produkte mit "Bezug zur Elektrik", die im türkischen Hafen Iskenderun ausgeladen werden sollten, um dann weiter nach Syrien transportiert zu werden.

In einem weiteren Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, wirft Varamar-Chef Alexander Varvarenko dem Schiffsmakler Lüddeke vor, dieser sage die Unwahrheit über Ladung und Zielort des Frachters. Lüdekkes Firma C.E.G habe alle Unterlagen erhalten und wisse, was sich wirklich an Bord befinde. Das Schiff warte derzeit auf Anweisung des indischen Auftraggebers, wo die Fracht zu entladen sei. Wahrscheinlich werde sie an diesem Sonntag in der Türkei gelöscht.

stk

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827531,00.html

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letzte Änderungen: 24.5.2016 9:09