HomePartei    Publikationen    Universitäten    Jugend    Frauen    Arbeiterbewegung    Internationale Politik    Neues    Kunst und Kultur    Islamische Staatsterrorism/ Human rights   

Ahmadinedschads Kabinett
Irans neuer Verteidigungsminister steht auf der Interpol-Fahndungsliste
zur Fotostrecke





Terrorist am Kabinettstisch: Der designierte iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi steht auf den Fahndungslisten von Interpol. Der Ex-Revolutionsgardist war laut britischen und US-Medien 1994 für einen tödlichen Anschlag in Buenos Aires verantwortlich.

Teheran/Buenos Aires - Der neue Verteidigungsminister im Kabinett Mahmud Ahmadinedschads muss bei fast jeder Auslandsreise mit der Festnahme rechnen - denn sein Name steht auf der Fahndungsliste von Interpol. Die 187 Mitgliedstaaten der Organisation sind völkerrechtlich zwar nicht verpflichtet, Ahmad Vahidi festzusetzen, aber die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, wiegen schwer.

ANZEIGE
"Wanted: Ahmad Vahidi", heißt es auf der Homepage von Interpol. Der Vorwurf: "Crimes Against Life and Health" - Verbrechen gegen das Leben und die Gesundheit.

Vahidi war Offizier der iranischen Revolutionsgarde und zeitweise Befehlshaber der berüchtigten Quds-Brigaden, die Operationen im Ausland ausführen. Wie britische und amerikanische Medien jetzt berichten, soll Vahidi 1994 der Drahtzieher hinter einem tödlichen Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires gewesen sein, bei dem 85 Menschen getötet und 150 verletzt wurden. Er habe die Attacke auf das Zentrum "geplant, finanziert und ausgeführt", sagen die argentinischen Ermittler, die Ahmad Vahihi über Interpol zur Fahndung ausschreiben ließen. Ob er persönlich die Hand im Spiel hatte oder Agenten der verbündeten libanesischen Hisbollah vorschickte, ist nicht abschließend geklärt - ein Grund, warum man Vahidi zu den Vorgängen in Buenos Aires vernehmen möchte.

Argentinien hat die beabsichtigte Ernennung Vahidis zum Verteidigungsminister inzwischen scharf kritisiert. "Seine Nominierung für ein Ministeramt in Iran ist mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen worden und auf das Schärfste zu verurteilen", erklärte das Außenministerium in Buenos Aires. Staatsanwalt Alberto Nisman, der die Ermittlungen gegen Vahidi führt, nannte dessen Berufung zum Minister einen "äußerst schwerwiegenden" Vorgang. Deutlicher noch wurde die jüdische Vereinigung in Argentinien: "Die Entscheidung des iranischen Präsidenten, der den Holocaust systematisch leugnet und zur Zerstörung des Staates Israel aufruft, stellt eine schwere Beleidigung der Opfer dar", teilte die Organisation Daia (Delegación de Asociaciones Israelitas Argentinas) mit.

Irans Präsidenten Ahmadinedschad lassen die Bemühungen Interpols und der argentinischen wie israelischen Ermittler sichtlich kalt, denn der Revolutionsgardist Vahidi zählte auch vor seiner Berufung zum engeren Kreis der iranischen Regierung; bisher fungierte er als stellvertretender Verteidigungsminister. Dass er jetzt auf den Chefsessel der Streitkräfte befördert wurde, wertet die "New York Times" als einen "trotzigen Versuch", sich ein weiteres Mal der internationalen Gemeinschaft zu widersetzen, während er sich bemühe, "seine Macht nach den umstrittenen Wahlen vom Juni zu zementieren".

Widerstand gegen Frauen im Kabinett

Seine am Mittwoch präsentierte Kabinettsliste sorgt derweil auch im eigenen Land für Protest - wenn auch aus einer ganz anderen Ecke: Iranische Geistliche haben sich jetzt gegen Ministerposten für Frauen im neuen Kabinett von Präsident Mahmud Ahmadinedschad ausgesprochen. "Es bestehen religiöse Zweifel an der Führungsfähigkeit von Frauen, das sollte die Regierung berücksichtigen", sagte der ultrakonservative Abgeordnete Mohammed Taghi Rahbar der konservativen Zeitung "Tehran Emrus" vom Samstag. Seine Gruppierung im Parlament wolle dazu in Kürze den Rat des obersten geistlichen Führers des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, einholen.

Unter den 21 Kandidaten für Ministerämter, die Ahmadinedschad in sein Kabinett holen will, sind erstmals seit der Islamischen Revolution 1979 auch drei Frauen. Demnach soll die Abgeordnete Fatemeh Adschorlu die Sozialministerin werden; die Medizinprofessorin Marsieh Wahid Dastdscherdi ist für Gesundheitsressort vorgesehen, Sussan Keschawars ist Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin. Am 30. August wollen die Parlamentarier in Vertrauensabstimmungen über jeden Vorschlag einzeln abstimmen.

oka/AFP/dpa
http://www.interpol.int/Public/data/wanted/notices/data/2007/57/2007_49957.asp

zurück

letzte Änderungen: 24.5.2016 9:09