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ATTACKE GEGEN EX-KANZLER
US-Abgeordneter wirft Schröder politische Prostitution vor


Ein paar mahnende Worte zum Sieg über den Kommunismus sollten es bei der Einweihung eines Denkmals in Washington sein. Doch der US-Abgeordnete Lantos schwang die Verbalkeule: Er würde Ex-Kanzler Schröder gern einen "politischen Prostitutierten" nennen - dann aber würden sich Prostituierte beleidigt fühlen.


Washington/Berlin - Die USA hatten ein symbolträchtiges Datum zur Einweihung eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus gewählt: Vor genau 20 Jahren hatte der damalige Präsident Ronald Reagan in einer Rede am Brandenburger Tor den seinerzeitigen sowjetischen Präsidenten aufgefordert: "Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder."


DDP
Gerhard Schröder und Wladimir Putin (im April 2004): Eine Freundschaft, die nicht allen gefällt
US-Präsident George W. Bush verkündete in salbungsvollen Worten, die Ausbreitung der Demokratie zum Ende des vergangenen Jahrhunderts zeige, dass "Freiheit ein Licht ist, das in jedem menschlichen Herzen brennt". Und so sei das Ende des Kommunismus ein Zeichen dafür, dass auch der radikal-islamische Terrorismus eines Tages besiegt werden kann.

Eine erwartbare, angemessene Zeremonie spielte sich da ab - wenn nicht auch noch Tom Lantos das Wort ergriffen hätte.

Genug der feierlichen Stimmung, mag sich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im US-Repräsentantenhaus gedacht haben, und packte die Verbalkeule aus. Nun, da sowohl Gerhard Schröder als auch der französische Präsident Jacques Chirac aus dem Amt geschieden seien, würden sich die transatlantischen Beziehungen wohl wieder verbessern. Lantos erinnerte daran, wie die USA Deutschland vor dem Faschismus gerettet und über Generationen hinweg vor dem Kommunismus geschützt hätten. Das alles, um dann zu erleben, wie Chirac und Schröder dem jüngsten Kampf gegen den "Islamfaschismus" den Rücken gekehrt hätten, beklagte der aus Ungarn stammende Abgeordnete.

Dann setzte er zu einem gewagten Vergleich an. Er würde Schröder gern einen "politischen Prostituierten" nennen, "jetzt, da er von Putin dicke Schecks kassiert. Aber die Prostituierten in meinem Wahlbezirk fühlen sich beleidigt." Mit der Anspielung auf die Schecks bezog sich Lantos auf Schröders Tätigkeit als Aufsichtsrats- Chef der North European Gas Pipeline. Der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent der Anteile an der Gaspipeline- Betreibergesellschaft.

In Berlin reagierte man mit wenig Verständnis auf die Ausfälle des US-Politikers. "Wenn die Äußerungen des US-Politikers Tom Lantos stimmen, sind sie lediglich ein Zeichen politischer Dummheit und Geschmacklosigkeit. Dass Gerhard Schröder mit seinem Nein zum Irak- Krieg Recht hatte, sehen nicht nur die Menschen in Europa, sondern auch in den USA", ätzte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil.

Und auch die Bundesregierung sprang dem Ex-Kanzler zur Seite. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies die despektierlichen Worte mit "Deutlichkeit und Entschiedenheit" zurück: "Das ist ein ungehörige Art der Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland", sagte Wilhelm.

phw/dpa
12062007 spiegel
Gerhard Schröder, politische Prostitution ,Islamf

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letzte Änderungen: 24.5.2016 9:09