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Schwere Kämpfe in Kusair: Hisbollah drängt auf Sieg in Syrien


Libanesische Milizen der Schiitenbewegung Hisbollah mischen sich immer stärker in den Krieg in Syrien ein. Ihr Generalsekretär Nasrallah schwört seine Kämpfer auf einen Sieg ein, Assads Sturz komme nicht in Frage. Der deutsche Außenminister Westerwelle warnt vor einem "Flächenbrand" .

Hamburg/Berlin/Damaskus - Augenzeugenberichten zufolge fallen mindestens 50 Geschosse pro Minute, die syrischen Rebellen sind unter heftigem Beschuss: Die strategisch wichtige Stadt Kusair an der Grenze zum Libanon ist weiter hart umkämpft. Immer stärker mischen sich libanesische Milizen in den syrischen Bürgerkrieg ein, allein an der Schlacht um Kusair seien inzwischen rund 2000 Kämpfer der Schiitenbewegung Hisbollah beteiligt, sagte Abu Raad, ein syrischer Aktivist aus der Region, am Samstag laut Nachrichtenagentur dpa. Mit Hilfe der Hisbollah hätten Regierungstruppen eine neue Offensive gestartet .

Die Lage in Kusair ist unübersichtlich, Informationen aus dem Kriegsgebiet in Syrien lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen .

"Rauchschwaden überziehen das Gebiet", sagte Abu Raad. Ein weiterer Aktivist berichtete nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters per Skype: "Einen solchen Tag habe ich seit Beginn der Kämpfe noch nicht erlebt. Der Beschuss ist so heftig - es ist, als würden sie versuchen, die Stadt Haus um Haus zu zerstören." Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, dass die Streitkräfte zahlreiche "Terroristen" in Kusair getötet hätten .

Der Generalsekretär der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, hat das Eingreifen seiner Milizen im syrischen Bürgerkrieg verteidigt und sie auf einen Sieg eingeschworen. Die Hisbollah werde nicht zuschauen, wie Extremisten gemeinsam mit den USA und anderen westlichen Staaten Syrien das Rückgrat brechen. Ein Sturz des Regimes von Baschar al-Assad komme nicht in Frage. Die schiitische Bewegung sieht sich als wichtigste Widerstandskraft gegen Israel in der Region. Syrien und der Iran sind ihre Verbündeten .

"Ich verspreche Euch den Sieg", sagte Nasrallah am Samstag in einer Fernsehansprache. Die Hisbollah werde sich bis zum Ende des Konflikts daran beteiligen. Was an der syrischen Grenze passiere, sei eine Gefahr für den Libanon. Das Blutvergießen in Syrien weitet sich auch immer mehr auf das Nachbarland aus. Im Nordlibanon sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen bei Kämpfen zwischen Unterstützern des Assad-Regimes und dessen Gegnern binnen einer Woche mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen .

"Die Gefahr eines Flächenbrandes ist mit Händen zu greifen"

Außenminister Guido Westerwelle bezeichnete die Hinweise auf ein "massives Eingreifen" von Hisbollah-Milizen in die Kämpfe in Syrien als "sehr bedrohlich". "Die Gefahr eines Flächenbrandes ist durch diese jüngsten Entwicklungen mit Händen zu greifen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" .

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), sagte der Zeitung: "Es gibt die große Gefahr, dass Syrien nicht implodiert, sondern explodiert." Dann würden der Libanon, die Türkei und Jordanien in den Konflikt gezogen .

Österreich warnte unterdessen vor einer Bewaffnung der syrischen Rebellen. Außenminister Michael Spindelegger wies vor den Beratungen über das EU-Waffenembargo gegen Syrien an diesem Montag auf Konsequenzen für die UN-Mission auf den Golanhöhen hin. "Für uns wäre es in diesem Fall sehr, sehr schwierig, das Mandat weiter auszuüben", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Mit rund 370 Soldaten stellt Österreich etwa ein Drittel der UN-Truppe, die auf dem Golan seit 1974 die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel und Syrien überwacht .

Wenn die EU-Außenminister bei ihrem Treffen am kommenden Montag in Brüssel keine einstimmige Entscheidung treffen, laufen Ende Mai sämtliche EU-Sanktionen gegen Syrien aus. Vor allem Großbritannien verlangt, dass einzelne EU-Staaten künftig die Aufständischen mit Waffen für ihren Kampf gegen Assad beliefern dürfen .

Jordaniens König Abdullah II. forderte bei einem Treffen des Weltwirtschaftsforums am Toten Meer ein sofortiges Ende der Gewalt und eine friedliche, politische Lösung. In Istanbul beriet die syrische Opposition noch über ihre Teilnahme an einer in Genf geplanten Friedenskonferenz sowie über eine neue Führung. Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80 000 Menschen das Leben gekostet .



http://www.spiegel.de/politik/ausland/schiitische-milizen-in-kusair-hisbollah-draengt-auf-sieg-in-syrien-a-901907.html

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letzte Änderungen: 24.5.2016 9:09