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Iranische Schauspielerin lässt sich nackt ablichten

Golshifteh Farahani hat sich in Paris für ein französisches Magazin ausgezogen. Die iranische Führung ist verärgert – und hat die Film-Schönheit ins Exil verbannt .
Mit den Händen bedeckt die junge Frau auf der Schwarz-Weiß-Fotografie ihre Brüste. Ansonsten ist sie nackt. Bis zur Hüfte sieht man sie, der Blick anklagend. In Deutschland ist ein solches Bild nicht der Rede wert. Doch für dieses Foto hat die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani, die zurzeit in den deutschen Kinos in dem Film „Huhn mt Pflaume“ von Marjane Satrapi zu sehen ist, alle Hüllen fallen lassen .
Eine Iranerin, eine Frau aus der Islamischen Republik, wo Frauen sich in der Öffentlichkeit verschleiern müssen, lässt sich nackt ablichten. Für das französische Magazin „Madame Le Figaro“ wagte die 28-jährige Schauspielerin, die mittlerweile im Pariser Exil lebt, diesen Schritt .
Auch andere Schauspieler präsentierten sich im Rahmen der Nominierung für den Filmpreis César so in dem Magazin. Auf der Website von „Madame Le Figaro“ ist das Foto von Faharani allerdings nicht mehr zu finden .
Fast 5000 Kommentare auf Facebook
Im sozialen Netzwerk Facebook verbreitet sich das Bild rasant. Fast 5000 Kommentare stehen mittlerweile unter dem Foto auf Farahanis Fanpage. Die rund 11.000 Klicks auf den „Gefällt mir“-Button seit der Veröffentlichung am Mittwoch zeigen, welch hohe Wellen die Aktion schlägt. Bewunderung, scharfe Kritik und Unterstützung sind daraus zu lesen.
Wie ungewöhnlich ein solches Bild einer iranischen Frau ist, belegt auch der Hinweis unter der Fotografie. „Administrator: Es (das Bild) wurde bestätigt, es ist nicht mit Photoshop erstellt“, steht dort. Somit scheint der Administrator der Facebook-Fanpage damit gerechnet zu haben, dass ein solch provokantes Bild auf seine Echtheit angezweifelt würde.
"Der Iran braucht keine Schauspielerinnen"
Die iranische Regierung hätte eine solche Fotografie am liebsten nie veröffentlicht gesehen. Sie reagierte, wie zu erwarten war, konsequent. Farahani sagte der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“: „Der Beauftragte des Ministeriums für Kultur und islamische Lenkung hat mir mitgeteilt, dass der Iran keine Schauspieler oder Schauspielerinnen brauche, und: ‚Sie sollten Ihre künstlerischen Dienstleistungen woanders anbieten‘.“
Die halbstaatliche Agentur Farsnews nimmt ebenfalls Stellung zu dem Bild: „Mit den wenigen Unterstützern, die sie noch hatte, hat sie nun auch ihre Anhänger betrogen.“ Die Agentur unterstellt der Schauspielerin, mit der Aktion nur die Aufmerksamkeit von Firmen und Filmstudios gewinnen zu wollen .
Auch andere Bilder aus der Fotoserie und einem Video von Jean-Baptiste Mondino, in dem sich die 31 Schauspieler, die für den französischen Filmpreis César nominiert sind, entkleiden, kursieren im Netz. Unter anderem auf einer Facebook-Seite mit dem Titel „Support for Golshifteh Farahani“ („Unterstützung für Golshifteh Farahani“). Hier wurde das Bild der nackten Farahani neben einer Fotografie der Schauspielerin in einem schwarzen Ganzkörperschleier montiert. Ein Bild, das als Kritik an der Unterdrückung der Frau in der iranischen Öffentlichkeit gesehen werden kann .
Der Iran warf ihr vor, die CIA habe sie angeheuert
Dass die Islamische Republik keine Künstler brauche, wie das iranische Kulturministerium Farahani mitteilte, hat sie nicht zum ersten Mal gehört. Noch bevor die Schauspielerin, die schon mit 14 Jahren vor der Kamera stand, ins Pariser Exil ging, hat ihr das schon einmal ein Mitarbeiter des Ministeriums für Innere Sicherheit mitgeteilt. Das erzählte sie Anfang Januar in einem Interview mit dem „Spiegel" .
Seitdem Farahani 2008 als erste iranische Frau nach der Islamischen Revolution von 1979 in einer Hollywood-Großproduktion mitspielte, wurde sie von der Regierung in Teheran wiederholt unter Druck gesetzt und schikanert. Ihr internationaler Erfolg an der Seite von Leonardo di Caprio in „Der Mann, der niemals lebte“ („Body of Lies“) wurde ihr so zum Verhängnis. Zeitweise durfte sie die Islamische Republik nicht mehr verlassen .
Für immer im Exil
Dann wurde Farahani sogar vor das Revolutionsgericht bestellt, wo man ihr vorwarf, die iranische Sicherheit zu gefährden. „Meine Arbeit in Hollywood wurde mit einer Kollaboration mit der CIA gleichgesetzt. Als ,Body of Lies' ins Kino kam, haben sie mich sogar beschuldigt, die CIA habe mich angeheuert, um das Ansehen des Islam zu zerstören!“, sagte sie dem „Spiegel“. Schon damals sei ihr klar gewesen, dass ihre Entscheidung für das Exil eine endgültige sein würde. Eine Vermutung, der die iranische Regierung mit ihrer Aussage nach der Veröffentlichung der Aktbilder Nachdruck verliehen hat .
Die Nacktfotos Farahanis erinnern an die ägyptische Bloggerin Aliaa Magda al-Mahdi. Sie veröffentlichte im Oktober 2011 im Internet eine Ganzkörperaufnahme, die sie nackt zeigt. Damit wollte sie ein politisches Statement gegen die Unterdrückung der Frauen im Land und für die Freiheit setzen .
Doch auch weit weniger als Aktfotos provoziert die iranische Regierung. Im Land ist schon der Verstoß gegen die Verschleierungspflicht sehr riskant. Das wurde im Oktober 2011 einer anderen iranischen Schauspielerin zum Verhängnis. Marzieh Vafamehr zeigte sich in einigen Szenen des Filmes „My Teheran for sale“, der von dem Doppelleben der Jugend Teherans erzählt, mit kahlrasiertem Kopf und einer Mütze als Kopfbedeckung. Mit einem Jahr Gefängnis und 90 Peitschhieben wurde sie dafür bestraft .

http://www.welt.de/politik/ausland/article13823379/Iranische-Schauspielerin-laesst-sich-nackt-ablichten.html

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letzte Änderungen: 23.12.2015 9:18