HomePartei    Publikationen    Universitäten    Jugend    Frauen    Arbeiterbewegung    Internationale Politik    Neues    Kunst und Kultur    Islamische Staatsterrorism/ Human rights   

Grosse «Erfahrung an Gefühlen»



Golshifteh Farahani wurde im Juli 1983, in der Zeit des Iran-Irak-Kriegs geboren. Viele ihrer Kindheitserinnerungen seien an Krieg geknüpft, sagt sie. Vor diesem Hintergrund versteht man das Spektrum der Emotionen, die ihr schönes Gesicht hervorbringen kann .

In ihrem aktuellen Film «The Patience Stone» («Stein der Geduld») spielt sie eine Frau in Kabul, die ihr eigenes Leben riskiert, um sich um ihren verletzten Ehemann zu kümmern. Erst auf den zweiten Blick begreift man die Pflege des Gatten als eigene Überlebensstrategie .

Besetzt für die Rolle in «Patience Stone» hat sie Atiq Rahimi. Der französische Autor afghanischer Herkunft hat seinen preisgekrönten Roman «Syngue Sabour» selber Verfilmt. Golshifteh Farahani erscheint ihm als ein Glücksgriff: «Die Arbeit eines Autors besteht darin, Worte zu finden, die Gefühle beschreiben», sagt Regisseur Rahimi. «Die Arbeit einer Schauspielerin besteht darin, Gefühle zu finden. Bei den Autoren erfordert es eine Erfahrung an Worten und bei einer Schauspielerin an Erfahrung an Gefühlen» .
Von der Musik zur Schauspielerei

Die schöne Farahani stammt aus einer Schauspielerfamilie. Bereits als Fünfjährige nimmt sie Klavierunterricht, mit 14 schafft sie die Aufnahmeprüfung ans Konservatorium. Doch dann kommt ihr die Hauptrolle im iranischen Film «The Pear Tree» dazwischen. Daraufhin entscheidet sich für die Schauspielerei. Für diese Rolle wird sie mit dem Schauspielpreis des internationalen Filmfestivals in Teheran ausgezeichnet. Die Musik spielt in ihrem Leben aber immer noch eine wichtige Rolle. Lange war sei Teil einer Rockgruppe im Iran, und nach wie vor ist Musik für sie das Mittel zum Abschalten .

Drangsaliert und vor Gericht gezerrt
Der Krieg in Kinderjahren, das Leben in einem totalitären System – die 29Jährige ist vom Leben geprägt. Doch die Entscheidung, ihrer Heimat den Rücken zu kehren, ist aber wohl der schwierigste Moment ihres Lebens .

Zu dieser Entscheidung kam es nach ihrem Engagement zu «Body of Lies»: Nach den Dreharbeiten wird Golshifteh Farahani sieben Monate lang von den iranischen Behörden drangsaliert. Ihr wird der Pass entzogen, sie wird immer und immer wieder verhört. Bis vor Gericht wird sie gezerrt, wo die Anschuldigung schliesslich heisst, das Ansehen des Landes im Ausland beschmutzt zu haben. «So etwas hätte ich nie getan», sagt Farahani. Als der Albtraum vorbei ist, beschliesst sie zu gehen. Für immer .
Das Exil als Kraftquelle

Mittlerweile lebt sie in Paris. Der Preis, den sie dafür bezahlt sich selber sein zu dürfen, sei hoch, sagt sie. Sie vermisse ihre Heimat. Trotzdem fühle sie sich dort wohl, versuche Kraft aus der Situation zu schöpfen. Die wird sie brauchen, denn sie wird wohl noch des Öfteren starke Frauen aus dem Orient darstellen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Auf die nächste Begegnung mit ihr auf der Leinwand freuen wir uns jetzt schon .


http://www.srf.ch/kultur/film-serien/golshifteh-farahani-ein-stern-am-iranischen-kinohimmel

zurück

letzte Änderungen: 23.12.2015 9:18