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Eine Bergstraße in Kurdistan: Jeden Tag werden von kurdischen Grenzorten tausende Barrel Öl nach Iran geschmuggelt
Wie Schmuggler die Sanktionspolitik gegen Iran untergraben


[h2 Die Sanktionen gegen Iran zeigen Wirkung, im Land wird das Benzin knapp. Doch Teheran hängt noch nicht am Tropf: Hunderte Tanklaster fahren täglich über die Grenze nach Iran.Es sind Hunderte Tanker, die Tag für Tag die kleine irakische Grenzstadt Penjwin durchqueren. Geladen haben sie Rohöl, aber auch weiterverarbeitete Ölprodukte, zum Beispiel Benzin, im Wert von vielen Millionen Dollar. Penjwin liegt im bergigen kurdischen Grenzgebiet zu Iran – und dort ist die Ladung der illegalen Tanklaster derzeit gefragter denn je. Schließlich bemühen sich die USA im Atomstreit mit Iran gerade mal wieder massiv um eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran.
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Die Schmuggelaktivitäten haben mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen, dass sich amerikanische Regierungsvertreter im Nordirak ernsthaft beunruhigt zeigen, wie die New York Times berichtet. Befürchtet werde, dass mit den Einkünften aus dem Ölverkauf irakische Politiker bestochen, vor allem aber, dass das iranische Regime unterstützt werde, berichtet das Blatt. Und das, obwohl die von den USA beschlossenen Maßnahmen gegen Iran auch Strafen für all diejenigen vorsehen, die veredelte Ölprodukte an Iran verkaufen.

Iran ist zwar selbst einer der weltgrößten Erdölproduzenten. Er verfügt jedoch nicht über ausreichende Raffineriekapazitäten, um seinen eigenen Benzin-Bedarf zu decken. Daher ist das Land auf die Importe angewiesen.

Von kurdischer Seite wird nicht bestritten, dass das Geschäft mittlerweile außerordentlich gut läuft. Als "riesig" und "wohldurchdacht" beschreibt es ein Mitglied der kurdischen Regierung gegenüber der New York Times. Die Gewinne gingen an die beiden regierenden Parteien der Region sowie an die beteiligten Firmen. Doch auch Beamte und Politiker in der irakischen Hauptstadt Bagdad seien involviert.

Das Sanktionsleck im Irak ist für die USA auch deshalb besonders ärgerlich, da die Sanktionen gerade anfangen, Wirkung zu zeigen. Bei den Benzinlieferungen wird Iran immer abhängiger von befreundeten Nationen. So kaufte das Land nach Angaben von Ölhändlern im Juli etwa die Hälfte seiner Einfuhren von der Türkei und den Rest von China. Die meisten anderen Zulieferer haben ihren Handel mit Iran demnach wegen der Sanktionen beendet. Zudem werden iranische Passagierflugzeuge in einigen Ländern nicht mehr betankt.

Händlern zufolge muss Iran wegen des kleineren Lieferantenkreises nun mehr für das Benzin bezahlen als früher. Zudem dürfte es dem Land schwerer fallen, sich die benötigten Mengen zu besorgen. Die Strafmaßnahmen sollen Iran dazu bewegen, sein Atomprogramm zu stoppen. Die Weltgemeinschaft beschuldigt das Land, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, was die Führung in Teheran bestreitet.

Vor diesem Hintergrund erhält der Ölschmuggel aus dem Irak besondere Bedeutung. Seine Existenz unterstreicht zudem, wie sehr Geschäftsinteressen mittlerweile die irakische Politik dominieren. Der Strom der Tanklastzüge nach Iran ging selbst während der iranischen Militärkampagne gegen iranische kurdische Separatisten im vergangenen Monat unvermindert weiter. Jeden Tag gelangen nach kurdischen Angaben Hunderte Tanker mit einer Ladung von je 226 Barrel Öl von Penjwin und zwei anderen Grenzstationen in Irakisch-Kurdistan nach Iran.

Während weiterverarbeitetes Öl häufig in Iran konsumiert wird, wird das Rohöl zumeist weiter an den persischen Golf transportiert, wo es entweder in Reservoirs gelagert oder auf Schiffe verladen wird.

Der Handel wird unterstützt von rund 70 Miniraffinerien rund um die Region Kurdistan und die kurdisch kontrollierten Gebiete bei Kirkuk und der Provinz Niniveh. Viele davon haben nach Angaben des kurdischen Ölministers Ashti Hawrami keine Lizenz.
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* Atomstreit Irans erster Atomreaktor geht an den Start
* Atomstreit US-Kongress für verschärfte Iran-Sanktionen
* Türkei Im Sog des Ostens

Schlagworte
Irak | Iran | Mineralölprodukt | Erdöl

Die offizielle Seite in Bagdad gibt an, von dem Schmuggel nichts zu wissen. Vize-Ölminister Abdul Karim al-Luaibi, sagte der New York Times, er wisse von den Ölexporten nichts. Alle Mini-Raffinerien seien illegal. Es sei deswegen Sache der kurdischen Regierung, das Problem in den Griff zu bekommen.

Nach Angaben des kurdischen Ölministers Hawrami wird offiziell nur Heizöl an Iran geliefert. Der Gewinn aus diesem Geschäft werde keineswegs von der kurdischen Regierung ausgegeben, sondern in einer Bank deponiert, um ihn mit Bagdad zu teilen. Gleichwohl bestreitet der Minister nicht, dass auch Rohöl seinen Weg über die Grenze findet. Darüber habe sein Ministerium jedoch keine Kontrolle. Das Problem sei aber größer als "das kleine Kurdistan".

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Es sind Hunderte Tanker, die Tag für Tag die kleine irakische Grenzstadt Penjwin durchqueren. Geladen haben sie Rohöl, aber auch weiterverarbeitete Ölprodukte, zum Beispiel Benzin, im Wert von vielen Millionen Dollar. Penjwin liegt im bergigen kurdischen Grenzgebiet zu Iran – und dort ist die Ladung der illegalen Tanklaster derzeit gefragter denn je. Schließlich bemühen sich die USA im Atomstreit mit Iran gerade mal wieder massiv um eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran.
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Die Schmuggelaktivitäten haben mittlerweile ein solches Ausmaß angenommen, dass sich amerikanische Regierungsvertreter im Nordirak ernsthaft beunruhigt zeigen, wie die New York Times berichtet. Befürchtet werde, dass mit den Einkünften aus dem Ölverkauf irakische Politiker bestochen, vor allem aber, dass das iranische Regime unterstützt werde, berichtet das Blatt. Und das, obwohl die von den USA beschlossenen Maßnahmen gegen Iran auch Strafen für all diejenigen vorsehen, die veredelte Ölprodukte an Iran verkaufen.

Iran ist zwar selbst einer der weltgrößten Erdölproduzenten. Er verfügt jedoch nicht über ausreichende Raffineriekapazitäten, um seinen eigenen Benzin-Bedarf zu decken. Daher ist das Land auf die Importe angewiesen.

Von kurdischer Seite wird nicht bestritten, dass das Geschäft mittlerweile außerordentlich gut läuft. Als "riesig" und "wohldurchdacht" beschreibt es ein Mitglied der kurdischen Regierung gegenüber der New York Times. Die Gewinne gingen an die beiden regierenden Parteien der Region sowie an die beteiligten Firmen. Doch auch Beamte und Politiker in der irakischen Hauptstadt Bagdad seien involviert.

Das Sanktionsleck im Irak ist für die USA auch deshalb besonders ärgerlich, da die Sanktionen gerade anfangen, Wirkung zu zeigen. Bei den Benzinlieferungen wird Iran immer abhängiger von befreundeten Nationen. So kaufte das Land nach Angaben von Ölhändlern im Juli etwa die Hälfte seiner Einfuhren von der Türkei und den Rest von China. Die meisten anderen Zulieferer haben ihren Handel mit Iran demnach wegen der Sanktionen beendet. Zudem werden iranische Passagierflugzeuge in einigen Ländern nicht mehr betankt.

Händlern zufolge muss Iran wegen des kleineren Lieferantenkreises nun mehr für das Benzin bezahlen als früher. Zudem dürfte es dem Land schwerer fallen, sich die benötigten Mengen zu besorgen. Die Strafmaßnahmen sollen Iran dazu bewegen, sein Atomprogramm zu stoppen. Die Weltgemeinschaft beschuldigt das Land, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, was die Führung in Teheran bestreitet.

Vor diesem Hintergrund erhält der Ölschmuggel aus dem Irak besondere Bedeutung. Seine Existenz unterstreicht zudem, wie sehr Geschäftsinteressen mittlerweile die irakische Politik dominieren. Der Strom der Tanklastzüge nach Iran ging selbst während der iranischen Militärkampagne gegen iranische kurdische Separatisten im vergangenen Monat unvermindert weiter. Jeden Tag gelangen nach kurdischen Angaben Hunderte Tanker mit einer Ladung von je 226 Barrel Öl von Penjwin und zwei anderen Grenzstationen in Irakisch-Kurdistan nach Iran.

Während weiterverarbeitetes Öl häufig in Iran konsumiert wird, wird das Rohöl zumeist weiter an den persischen Golf transportiert, wo es entweder in Reservoirs gelagert oder auf Schiffe verladen wird.

Der Handel wird unterstützt von rund 70 Miniraffinerien rund um die Region Kurdistan und die kurdisch kontrollierten Gebiete bei Kirkuk und der Provinz Niniveh. Viele davon haben nach Angaben des kurdischen Ölministers Ashti Hawrami keine Lizenz.
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Irak | Iran | Mineralölprodukt | Erdöl

Die offizielle Seite in Bagdad gibt an, von dem Schmuggel nichts zu wissen. Vize-Ölminister Abdul Karim al-Luaibi, sagte der New York Times, er wisse von den Ölexporten nichts. Alle Mini-Raffinerien seien illegal. Es sei deswegen Sache der kurdischen Regierung, das Problem in den Griff zu bekommen.

Nach Angaben des kurdischen Ölministers Hawrami wird offiziell nur Heizöl an Iran geliefert. Der Gewinn aus diesem Geschäft werde keineswegs von der kurdischen Regierung ausgegeben, sondern in einer Bank deponiert, um ihn mit Bagdad zu teilen. Gleichwohl bestreitet der Minister nicht, dass auch Rohöl seinen Weg über die Grenze findet. Darüber habe sein Ministerium jedoch keine Kontrolle. Das Problem sei aber größer als "das kleine Kurdistan".Es sind Hunderte Tanker, die Tag für Tag die kleine irakische Grenzstadt Penjwin durchqueren. Geladen haben sie Rohöl, aber auch weiterverarbeitete Ölprodukte, zum Beispiel Benzin, im Wert von vielen Millionen Dollar. Penjwin liegt im bergigen kurdischen Grenzgebiet zu Iran – und dort ist die Ladung der illegalen Tanklaster derzeit gefragter denn je. Schließlich bemühen sich die USA im Atomstreit mit Iran gerade mal wieder massiv um eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran.
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Iran ist zwar selbst einer der weltgrößten Erdölproduzenten. Er verfügt jedoch nicht über ausreichende Raffineriekapazitäten, um seinen eigenen Benzin-Bedarf zu decken. Daher ist das Land auf die Importe angewiesen.

Von kurdischer Seite wird nicht bestritten, dass das Geschäft mittlerweile außerordentlich gut läuft. Als "riesig" und "wohldurchdacht" beschreibt es ein Mitglied der kurdischen Regierung gegenüber der New York Times. Die Gewinne gingen an die beiden regierenden Parteien der Region sowie an die beteiligten Firmen. Doch auch Beamte und Politiker in der irakischen Hauptstadt Bagdad seien involviert.

Das Sanktionsleck im Irak ist für die USA auch deshalb besonders ärgerlich, da die Sanktionen gerade anfangen, Wirkung zu zeigen. Bei den Benzinlieferungen wird Iran immer abhängiger von befreundeten Nationen. So kaufte das Land nach Angaben von Ölhändlern im Juli etwa die Hälfte seiner Einfuhren von der Türkei und den Rest von China. Die meisten anderen Zulieferer haben ihren Handel mit Iran demnach wegen der Sanktionen beendet. Zudem werden iranische Passagierflugzeuge in einigen Ländern nicht mehr betankt.

Händlern zufolge muss Iran wegen des kleineren Lieferantenkreises nun mehr für das Benzin bezahlen als früher. Zudem dürfte es dem Land schwerer fallen, sich die benötigten Mengen zu besorgen. Die Strafmaßnahmen sollen Iran dazu bewegen, sein Atomprogramm zu stoppen. Die Weltgemeinschaft beschuldigt das Land, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung an Atomwaffen zu arbeiten, was die Führung in Teheran bestreitet.

Vor diesem Hintergrund erhält der Ölschmuggel aus dem Irak besondere Bedeutung. Seine Existenz unterstreicht zudem, wie sehr Geschäftsinteressen mittlerweile die irakische Politik dominieren. Der Strom der Tanklastzüge nach Iran ging selbst während der iranischen Militärkampagne gegen iranische kurdische Separatisten im vergangenen Monat unvermindert weiter. Jeden Tag gelangen nach kurdischen Angaben Hunderte Tanker mit einer Ladung von je 226 Barrel Öl von Penjwin und zwei anderen Grenzstationen in Irakisch-Kurdistan nach Iran.

Während weiterverarbeitetes Öl häufig in Iran konsumiert wird, wird das Rohöl zumeist weiter an den persischen Golf transportiert, wo es entweder in Reservoirs gelagert oder auf Schiffe verladen wird.

Der Handel wird unterstützt von rund 70 Miniraffinerien rund um die Region Kurdistan und die kurdisch kontrollierten Gebiete bei Kirkuk und der Provinz Niniveh. Viele davon haben nach Angaben des kurdischen Ölministers Ashti Hawrami keine Lizenz.
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Die offizielle Seite in Bagdad gibt an, von dem Schmuggel nichts zu wissen. Vize-Ölminister Abdul Karim al-Luaibi, sagte der New York Times, er wisse von den Ölexporten nichts. Alle Mini-Raffinerien seien illegal. Es sei deswegen Sache der kurdischen Regierung, das Problem in den Griff zu bekommen.

Nach Angaben des kurdischen Ölministers Hawrami wird offiziell nur Heizöl an Iran geliefert. Der Gewinn aus diesem Geschäft werde keineswegs von der kurdischen Regierung ausgegeben, sondern in einer Bank deponiert, um ihn mit Bagdad zu teilen. Gleichwohl bestreitet der Minister nicht, dass auch Rohöl seinen Weg über die Grenze findet. Darüber habe sein Ministerium jedoch keine Kontrolle. Das Problem sei aber größer als "das kleine Kurdistan".weiterlesen...
http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-07/irak-iran-oel-schmuggel





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letzte Änderungen: 24.5.2016 9:09